Kirche empirisch
Aus dem Vorwort des Werkbuchs
Prof. Dr. Jan Hermelink
Das Werkbuch „Kirche empirisch“ hat das Ziel, die vielfältigen Daten und Untersuchungen, die über die soziale Wirklichkeit der evangelischen Kirchen in Deutschland derzeit zur Verfügung stehen, für die kirchliche Praxis zu erschließen und nutzbar zu machen. Es soll als Arbeitsmaterial dienen für die kirchliche Aus- und Fortbildung ebenso wie für die Planungsarbeit in Kirchenvorständen und Pfarrkonventen oder für strategische Überlegungen anderer kirchenleitender Gremien.
Nicht zuletzt sollen die Reformprozesse, die sich gegenwärtig in vielen Kirchenkreisen, Landeskirchen und in der EKD vollziehen, durch vertiefte, mitunter auch kritische Einsichten in ihre empirischen Bedingungen gefördert werden.
Zu diesem Zweck werden einschlägige statistische und sozialwissenschaftliche Materialien aufbereitet, didaktisch elementarisiert und in den Horizont der aktuellen innerkirchlichen Diskussion gestellt. Die Artikel des Bandes beschäftigen sich mit zentralen Aspekten kirchlichen Lebens und Wirkens. Sie gliedern sich in
drei Themenkreise:
- Als soziale Rahmenbedingungen kirchlichen Lebens werden zunächst die Themen Mitgliedschaft, kirchliche Sozialisation und soziale Milieus behandelt. Dazu gehören als eigene Schwerpunkte auch die Fragen von Kirchenaustritt, Kircheneintritt, Konfessionslosigkeit und die Differenzierung von Ost- und Westdeutschland.
- Die kirchlichen Handlungsfelder reichen von Gottesdienst, Kasualien und Predigt über Seelsorge/Beratung, Diakonie und Bildung bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit, spezieller Zielgruppenarbeit, Haushaltsführung und Fundraising.
- Schließlich werden in der Perspektive kirchlicher Mitarbeit Ehrenamtliche, Pfarrer/innen und kirchliche Leitungsgremien betrachtet.
Verschiedene weitere Themen, die zunächst geplant waren, wie z.B. die Differenz von Stadt/Land, konfessionelle Besonderheiten, kirchliche Gebäude oder hauptamtlich Mitarbeitende, konnten aus verschiedenen Gründen leider nicht bis zur Druckreife gebracht werden.
Die einzelnen Beiträge des Bandes folgen einem gleichen konzeptionellen
Aufbau:
- Eine prägnante These, eine kurze Zusammenfassung oder ein Zitat dient als Hinführung auf das jeweilige Thema.
- Die folgende Themenskizze versucht, auf 1-2 Seiten die wichtigen Stichworten und leitenden Fragestellungen zu benennen, um die es in dem Themenfeld geht.
- Sodann wird – schwerpunktmäßig – ausgewähltes Material (Graphiken, Tabellen) dargestellt und erläutert, an Hand dessen sich wesentliche Aspekte des Themas exemplarisch veranschaulichen lassen.
- In Form von pointierten Thesen schließen sich praktisch-theologische Folgerungen an, die auf weitere Wahrnehmungsprozesse sowie auf kirchliche Handlungsorientierung zielen.
- Anregungen und Fragen zur Weiterarbeit dienen der konkreten Verwendung des Beitrages in kirchlichen Gruppen und Gremien.
- Knapp gehaltene Lesehinweise mit Verweis auf einschlägige Texte und weiteres empirisches Material schließen die Ausführungen ab.
Häufig genutzte, in den Artikeln abgekürzt zitierte Standardwerke sind in einem eigenen Verzeichnis zusammengestellt. Eine beigefügte
CD-Rom bietet alle Schaubilder und Tabellen präsentationsfähig in digitaler Form, so dass die Artikel als Grundlage für Vorträge und andere Veranstaltungen dienen können.
Der dargelegten Zielsetzung, thematischen Ausrichtung und konzeptionellen Anlage folgend trägt der Band insgesamt den Charakter eines
Werkbuches: Alle Texte entspringen aus dem Umgang mit empirischer Praxiswahrnehmung in der Kirche und zielen auf eine konkrete Weiterentwicklung dieser Wahrnehmung. Es geht in ihnen also nicht um neue wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern um eine praxisnahe Vermittlung vorhandener, empirisch gestützter Einsichten, auch im Kontext aktueller Reformprozesse. Durch den Verzicht auf Forschungsüberblicke und Fachdiskussionen, durch die Konzentration auf die wichtigste Literatur und wenige Anmerkungen wird versucht, die Artikel einem möglichst breiten Kreis von Interessierten zugänglich zu machen. Der Umfang der Beiträge ist auf ca. 15 Seiten beschränkt, so dass jeder Text in einer Stunde, also auch in der oft knappen Lesezeit des kirchlichen Arbeitsalltags wahrgenommen werden kann.
Die Verfasser/innen sind in verschiedener Weise in der Aus-, Fort- und Weiterbildung, also an einer Schnittstelle von Theorie und Praxis tätig. Ihre Textbeiträge, obwohl vielfältig auf einander bezogen, sind jeweils aus sich selbst verständlich. In den Texten spiegeln sich – bei aller Sachlichkeit in der Darlegung des empirischen Materials – immer auch die individuellen Perspektiven der Autor/innen wider, und nicht zuletzt das jeweilige Engagement für ihr Fachgebiet. Dies gilt besonders für die positionell zugespitzten praktisch-theologischen Folgerungen und den Anregungen zur Weiterarbeit. Zwischen den Beiträgen bestehen daher durchaus Differenzen in der Einschätzung und Bewertung der empirischen Befunde, die einer aufmerksamen Lektüre leicht auffallen werden. Diese Unterschiede sind nicht redaktionell vermittelt, sondern – auch als Impuls zur kritischen Rezeption und Weiterarbeit – stehen gelassen worden.
Jan Hermelink, Thorsten Latzel (Hrsg.)
Kirche empirisch
Ein Werkbuch
Eine praxisorientierte Erschließung der kirchlichen Verhältnisse. Für die kirchliche Arbeit in Aus- und Fortbildung, in Pfarrkonventen und Kirchenvorständen sowie für strategische Überlegungen. Dieses Werkbuch will die vorliegenden empirischen Daten und Untersuchungen zur sozialen Wirklichkeit der evangelischen Kirchen in Deutschland nutzbar machen für die kirchliche Aus- und Fortbildung, für die Arbeit in Pfarrkonventen und Kirchenvorständen sowie für strategische Überlegungen. Auf diese Weise unterstützt es die innerkirchlichen Reformprozesse. Hierfür werden vielfältige Materialien zur Verfügung gestellt: u.a. diverse statistische Daten der EKD sowie der Landeskirchen, Umfragen zur Kirchenmitgliedschaft, empirische Untersuchungen und Einzelstudien. In drei großen Kapiteln werden die Rahmenbedingungen kirchlichen Lebens, die kirchlichen Handlungsfelder und die kirchliche Mitarbeit beleuchtet. Die Daten werden aufbereitet, in ihrer Aussagekraft reflektiert und sowohl in die kirchliche wie auch in die praktisch-theologische Diskussion eingeordnet. Eine CD-Rom mit präsentationsfähigen Graphiken erlaubt einen schnellen praktischen Einsatz. Dieses Buch erscheint im Juli 2008 im Gütersloher Verlagshaus.

