Zwischenbilanz Kirchenreform?
Ein Beitrag von Friedhelm Schneider
Nach 15 Jahren [neueren] Kirchenreformen wäre der Zeitpunkt für eine offizielle Zwischenbilanz gekommen. Inwieweit haben also die „Unternehmensführungen“ ihre diesbezüglichen Aufgaben bewältigt? Nach herrschender Meinung bestehen die „Hauptfunktionen so gut wie ausschließlich in der Tätigkeit der Gewinnung, Verarbeitung, Speicherung und Übertragung von Informationen. Damit wird das Management von Information zur zentralen Aufgabe von Unter- nehmensführung.“
Denn: „Jede betriebliche Entscheidung ist so gut oder so schlecht wie der ihr zugrunde liegende Informationsstand“.
Dies alles sind insoweit Fragen, die man in allen Bereichen der Kirche in gleicher Weise stellen könnte. Im Rahmen dieser Rubrik hat sie eine besondere Relevanz, weil hier ein immenser Nachholbedarf bestand und besteht – und weil die Frage der Qualität erforderlicher Prozesse zur Verbesserung eine hohe Professionalität der Verantwortlichen in den Verwaltungen erfordert. Ist diese nicht vorhanden, wird sich ein solcher Prozess sich in schlichten Datensammlungen erschöpfen – der exorbitante Kosten verursachen.
Für die Verwaltungspraxis der Informationsermittlung wie auch für das Verständnis dieses Beitrages ist dabei eine wichtige Unterscheidung zu treffen: die zwischen Daten und Informationen. Daten beinhalten – im Gegensatz zu Informationen - keinen Zweck. Erst durch das von einem Unternehmen vorgegebenen Ziel kann die Umwandlung von Daten in Informationen erfolgen. So ist es die „Aufgabe der Informationsverarbeitung,... noch nicht zweckgebundene Daten durch Verknüpfungs- und Kombinationsvorgänge umzuformen, zu verdichten oder zu spezifizieren und sie damit zweckgebunden umzuwandeln. Erst diese zweckgebundene Umwandlung verleiht den Daten Informationscharakter“. Das zentrale Problem dabei: die unendliche Vielzahl an unübersehbar vielen Daten zu selektieren. Es gilt, „einen Weg der selektiven Informationsbereitstellung zu beschreiten, der auf der einen Seite eine undifferenzierte Informationsüberflutung vermeidet, auf der anderen Seite aber eine aktive, zweckgebundene Auswertung ermöglicht.“
Die Entscheidungsgremien, die mit entsprechendem Material an Daten und Informationen versorgt werden, können dabei mit zwei Extremen konfrontiert sein: sie werden mit vielen, nach Gewicht in Kilogramm bezifferbaren, Daten gefüttert, die aber leider keine oder wenig Informationen erhalten (müssen). Andererseits kann es passieren (das fordern Vorstände großer Konzerne), dass Ihnen anhand weniger Informationen (z.B. Kennziffern) die Lage des Unternehmens oder eines Unternehmensbereichs auf wenigen Seiten hoch verdichteter Information verdeutlicht wird.
Nebenbei ist die Frage der unterschiedlichen Praxis natürlich eine Frage der Kosten. Dies insbesondere im Bereich der Gebäude. Gerade dort besteht die Gefahr viele Daten zu hohen Herstellungs- und noch höheren Pflegekosten zu erstellen. Und das dann – es sind ja nur Daten - mit einer bescheidenen Aussagekraft. Die Alternative wäre, nur die für die wirklich erforderlichen Informationen nötigen Grunddaten ermitteln. Das ist auch mit relativ geringem Aufwand machbar!
Was liefern Sie als Verwaltung? Daten oder Informationen? Oder was erhalten Sie als Mitglied eines Leitungsorgans der Kirche? In der Synode? Als Mitglied im Kirchenkreisvorstand oder des Kirchenvorstandes? Erhalten Sie Daten oder Informationen?
Mit diesem Anforderungskatalog an die Unternehmensführung haben Sie nun wichtige Kriterien dafür an der Hand, wie sie die Qualität der Arbeit Ihrer jeweiligen Führung auf den jeweiligen Ebenen beurteilen können. Diese können und wollen eine offizielle, ehrliche Zwischenbilanz nicht ersetzen! Es bieten sich demnach aber als Kriterien für die Qualität der Leitung der Informationsbereitstellung (und also Unternehmensleitung – s.o.) Anhaltspunkte an, anhand derer sich jeder auch persönlich ein Bild machen und ein Urteil fällen kann:
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in wieweit hat sich der Informationsstand (nicht Datenstand) in den letzten 15 Jahren in der Kirche verbessert?
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In wieweit wurde nur der Datenbestand erhöht?
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In welchen Bereichen (Gemeindestatistik, Immobilien, Finanzen etc.) wurde der Informationsstand verbessert?
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Auf welcher Ebene (Kirchenleitung/-verwaltung, Kirchenkreis, Gemeinde etc.) wurde der Informationsstand verbessert?
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Haben sich einige Bereiche (Kirchenkreise, Gemeinden) aus Einsicht in die Probleme die entsprechenden Informationen selbständig, ohne die zentrale oder übergeordnete Führung, beschafft?
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Inwieweit wurden die Gremien instand gesetzt, mit dem verbesserten Informationsstand auch zu arbeiten?
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Wurden die Gesamtkosten von vorhandenen Projekten zur Beschaffung von Daten oder Informationen erfasst und transparent dargestellt ? Und dem Nutzen dann gegenüber gestellt?
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Wurde die Qualität der erforderlichen Entscheidungsprozesse der Verwaltung zur Einführung des Informationsmanagements in den jeweiligen Bereichen gemessen und beurteilt?
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Was passiert, wenn bei Entscheidungen nachweislich günstigere oder bessere Produkte nicht berücksichtigt werden? Anders gefragt: wann müssen Rechnungsprüfungsämter in solche Prozesse einbezogen werden?
Zitate aus: Prof. Dr. C. Braunschweig „Unternehmensführung“, München-Wien 1998, S. 34-42.
K.IM. ® Kirchliches Immobilienmanagement
Der Autor Friedhelm Schneider, Jahrgang 1956 - auf das Studium der Theologie u.a. In Heidelberg, Tübingen, Montpellier folgte ab 1982 der Gemeindepfarrdienst. Anschließend zusätzliche Abschlüsse (u.a. Immobilienfachwirt IMI) und Arbeit an der Thematik Immobilien- und Finanzmanagement ab 1992 innerhalb und außerhalb der kirchlichen Verwaltung. Modellprojekte mit Grundlagenforschung und entsprechende Veröffentlichungen u.a. "Kirchliches Immobilienmanagement – zukunftsweisender Umgang mit kirchlichen Gebäuden", Darmstadt 2004. Im Jahr 2001 Gründung von K.IM. (C) Kirchliches Immobilienmanagement. Auszeichnung mit dem Dt. Bauherrenpreis 2002 als Geschäftsführer der ÖWD, Ökumenischen Wohnhilfe Darmstadt gGmbH.
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